Gäbe es hier einen Schönheitspreis für Ortschaften zu verleihen, Alleghe würde sich mit Sicherheit ganz vorne einreihen. Dies gilt
vielleicht weniger für den Ortskern an sich – die Durchgangsstraße raubt
ihm doch ein wenig seines ursprünglichen Charmes – doch die Lage von
Alleghe an dem gleichnamigen Gebirgssee und unterhalb der majestätischen
Nordwestwand der Civetta sucht auch in den Dolomiten ihresgleichen.
Alleghes Manko in touristischer Hinsicht ist aber gleichzeitig seine wenig verkehrsgünstige Lage. Um von Norden
aus diesen abgelegenen Flecken der venezianischen Dolomiten zu
erreichen, muss man schon Bikereviere wie das Grödner- und Fassatal bzw.
das Alta Badia links liegen lassen. Nach Stand der Dinge verirren sich
Mountainbiker aus Deutschland daher außer auf einer Alpenüberquerung nur
höchst selten hier her. Ein klarer Fehler, meinen wir!
Der Tourismus vor Ort ist folglich eher von Italienern geprägt, bzw. auf diese eingestellt. Umso besser: Italienische Urlauber sind
schließlich anspruchsvolle Genießer. Sie fragen einen entsprechenden
Service vor allem in Sachen Gastronomie nach, den auch Deutsche sich
gerne gefallen lassen. Im Gegenzug tummeln sich Italiener aber eher
selten auf Singletrails. Beste Karten also für Trailfans, diese ganz für
sich alleine nutzen zu dürfen!
Ganz? Nun ja, nicht ganz. Für die Dolomiten bemerkenswerter Weise hat sich hier vor Ort eine aktive Freeride-Community gebildet. Die Jungs und Mädels von „Be wild!“ sind super sympathisch
und kennen die besten Trails. Noch sympathischer: Sie teilen ihr Wissen
gerne mit Bikern von hinter den sieben Bergen. Wenn ihr mit Claudio,
Marek & Co. auf Tour geht, ist euch Spaß garantiert!

Die Civetta oberhalb von Alleghe ist das mit Abstand größte
Felsgemäuer der Dolomiten. Wenn diese Wand im Abendlicht leuchtet,
stellt sie alle anderen Massive in den Schatten.
Hier der Blick von der Hochebene der Pale di San Martino.
Lage
Alleghe liegt am linken Ufer des gleichnamigen Sees im oberen Tal des Flusses Cordèvole. Dieser entspringt am Passo Pordoi im Rücken des Sellastocks, und ist einer der wichtigsten Nebenflüsse des Piave-Stroms, der schließlich bei Venedig in die Adria mündet. Zu beiden Seiten zweigen vom Cordèvole-Tal wichtige Nebentäler ab, etwa zum Passo Fedaia und der Marmolada in Richtung Fassatal, oder das Val Biois in Richtung des Passo di San Pellegrino bzw. Passo Valles, die den Übergang ins Fleimstal markieren. Alle diese Täler sind von einem weiten Netz an Karrenwegen, Trails und Militärsteigen durchzogen und bieten so ein sehr abwechslungsreiches Tourenrevier mit Strecken aller Stile und Schwierigkeitsgrade.
Anreise
Mit dem Auto über Brenner und Brennerautobahn bis Ausfahrt Bruneck, dann durch das Gadertal und den Passo di Campolongo nach Arabba. Hier weiter bis Alleghe.
Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist sehr umständlich und zeitraubend, daher nicht zu empfehlen.
Bike-Shops
Dottor Bike – Claudio Da Roit ist ein begnadeter Mechaniker – nicht umsonst heißt sein Laden „Dottor Bike“! Via Piazza Nenni 6, Taibon Agordino, Tel. +39 / 04 37 / 187 40 03
Infos: www.bewild.it
Free Time Bike&Board, Piazza IV Novembre, Cencenighe Agordino, Tel. +39 / 04 37 / 58 01 18
Shuttles und Bikeverleih
Freeride Center „Axterix Bike“, Marek , „Casa delle Guide“ an der Seilbahn in Alleghe, Tel. 00 39 / 347 / 520 95 21,
Infos: www.bewild.it
Guiding
Bewild – die Freeride-Locals organisieren Allmountain-, Freeride- und Downhilltrips aller Schwierigkeitsgrade mit oder ohne Guide. www.bewild.it
Seilbahnen
Alle Seilbahnen und Sessellifte vor Ort transportieren problemlos Biker. Ausnahme sind lediglich die Seilbahn Marmolada (kein Bike-Gelände) und die Seilbahnen auf der Sellaronda (Transport nur mit Bike-Guide).
Karten
Tabacco Blatt 015 „Marmolada, Pelmo, Civetta, Moiazza“, Maßstab 1:25.000
Allgemeine Infos
Dass wir das hiesige Bikerevier kurz und bündig unter dem Begriff „Alleghe“ zusammenfassen, tut dem Rest der Region eigentlich unrecht. Very sorry! Allerdings liegt Alleghe sehr zentral im Revier und bietet eine entsprechende touristische Infrastruktur, so dass der Ort als Ausgangspunkt für Bike-Touren in der Region doch guten Gewissens empfohlen werden kann.
Alleghe liegt am linken Ufer des gleichnamigen Sees im oberen Tal des Flusses Cordèvole. Dieser entspringt am Passo Pordoi im Rücken des Sellastocks, und ist einer der wichtigsten Nebenflüsse des Piave-Stroms, der schließlich bei Venedig in die Adria mündet. Zu beiden Seiten zweigen vom Cordèvole-Tal wichtige Nebentäler ab, etwa zum Passo Fedaia und der Marmolada in Richtung Fassatal, oder das Val Biois in Richtung des Passo di San Pellegrino bzw. Passo Valles, die den Übergang ins Fleimstal markieren. Alle diese Täler sind von einem weiten Netz an Karrenwegen, Trails und Militärsteigen durchzogen. So entsteht ein sehr abwechslungsreiches Tourenrevier mit Strecken aller Schwierigkeitsgrade, allerdings mit einem Schwerpunkt auf fahrtechnisch relativ anspruchsvolle Touren.
Die Besonderheit der Region liegt allerdings in den schier unerschöpflichen Möglichkeiten, per Seilbahnunterstützung epische Singletrails abzureiten. Wer sich also „Freeride“ oder „Freeride light“ auf die Fahnen geschrieben hat, für den ist Alleghe erste Wahl. Im Winter dreht sich nämlich oberhalb von Alleghe das Pistenkarussell des „Ski Civetta“-Resorts. In nächster Nähe finden sich mit der Marmolada oder dem Ort Arabba auf der Rückseite des Sellamassivs weitere renommierte Skigebiete. Im Sommer jedoch sind die Seilbahnen des „Dolomiti-Superski“-Verbunds von einer Vollauslastung weit entfernt. Da zuckt kein Seilbahnschaffner auch nur mit der Wimper, wenn ein mit langen Federwegen bewaffneter Biker an seinem Kassenhäuschen abschwingt.
Auch sind italienische Wanderer weit entspannter als andernorts: Italien ist halt eine Radsportnation. Wenn ihr hier auf den Trails Fußgängern begegnet kommt es weit häufiger vor dass man euch begeistert applaudiert, denn als das jemand Ärger macht. Bella Italia! Hier sind Rider wirklich free!
Die Spots von Nord nach Süd:
Fodom / Buchenstein
Der Ort Arabba markiert die Rückseite des Sellastocks und ist Sommers wie Winters Teil der berühmten Sellaronda. Für Mountainbiker ist diese gut an einem Tag zu bewältigen, allerdings nur in Begleitung eines Bike-Guides – andernfalls ist die Benutzung der Seilbahnen untersagt. In Richtung Süden schließt die Seilbahn zur Porta Vescovo an den berühmten Bindelweg an. Für Biker ist dieser ein echter Sahnehappen von einer Tour. Allerdings sollte man hierfür die Nebensaison wählen, denn im Sommer ist dieser Panoramaweg eine wahre Wandererautobahn.
Weiter talauswärts finden sich bei Cherz oder Pieve ein paar schöne Almtouren von moderater Schwierigkeit, aber immer umwerfendem Panorama.
Val Fiorentina
Das Tal im Norden von Alleghe markiert mit dem Passo di Giao den Übergang in Richtung Cortina d’Ampezzo. Richtung Süden schließt mit dem Passo di Staulanza das Val di Zoldo an. Hier sind Mountainbiker meist aus eigener Kraft unterwegs, und finden ein großes Netz an Karrenwegen und Trails vor, von denen viele einen historischen Ursprung haben.
Die Highlight-Tour ist sicher die vom Rifugio Averau über die Masonadie und die Strada della Vena. Den Aufstieg hier muss man sich hart erkaufen. Dafür wartet ein episches Singletrailfinale, von dem Biker noch lange zehren!
Val Pettorina
Das Tal zweigt von Caprile aus nach Westen ab und markiert mit dem Passo Fedaia den Übergang ins Fassatal. Eine Kuriosität ist die enge Schlucht „Serrai di Sottoguda“: Auf die Idee, durch einen solch engen Spalt eine Teerstraße zu bauen, können auch nur Italiener kommen!
Das Tourenhighlight ist aber der Padonkamm gegenüber der vergletscherten Nordflanke der Marmolada: Vor allem der Run über den Passo di Crepe Rosse nach Rocca Piètore ist eine Sahnetour, nach der ihr euch alle zehn Finger abschlecken werdet!
Alleghe
Kernzone ist natürlich der bestens per Seilbahn erschlossene Col dei Baldi oberhalb von Alleghe. Hier befindet sich die Originalstrecke des Civetta-Superbike-Marathons. Wohl die erste offizielle und komplett ausgeschildert Mountainbike-Strecke der Dolomiten. Aber auch jenseits der Marathonstrecke mit ihren steilen Anstiegen und ruppigen Abfahrten finden sich viele lohnende Trails. Die Highlights sind sicherlich der Fernazza-Trail oder der epische Ritt vom Col dei Viai über Lagusello nach Caprile.
Valle del Biois
Das Tal zweigt vom Ort Cencenighe Agordino in Richtung Westen ab und markiert mit dem Passo di San Pellegrino bzw. dem Passo Valles den Übergang zum Fleimstal. Hier finden wir das wohl „klassischste“ Tourenrevier der Gegend vor. Zwar gibt es natürlich auch gute Singletrails, doch bestimmen eher Karrenwege und Schotterstraßen den Charakter der Touren. Genial ist die Passage über die Forcella di San Tomaso. Bergauf war sie schon öfter Durchgangsstation der BIKE Transalp. Bergab ist sie aber purer Genuss!
Agordino
Die Dolomiten von Agordo ... hm ... wow! Die Dolomiten von Agordo sind ein ganz eigenes Kapitel ... aber dazu später mehr ;-)
Wer über den Tellerrand des Mountainbikers blicken will, findet hier in der Region schier unendliche Möglichkeiten für Outdoor-Sportarten vor. Allem voran sind hier natürlich Trekkingtouren angesagt – ihr habt die freie Wahl!
Wer gerne auch mal mit dem Rennrad unterwegs ist, kann aus dem Vollen schöpfen: So ist etwa die Umrundung der Civetta mit Passo Staulanza und Passo Duran ganz großes Kino. Aber auch Passo di Giao, Falzarego, Pordoi, Fedaia ... alle sind sie Rennradlern wohl bekannt, und jedes Jahr Highlight des Giro d’Italia.
Auch Kletterer kommen hier voll auf ihre Kosten. Die berühmtesten Wände sind natürlich die Nordwestwand der Civetta und die Südwand der Marmolada. Aber Vorsicht – selbst die leichtesten Touren dort sind hochalpine Unternehmungen, und nur hartgesottenen Alpinkletterern vorbehalten. Allerdings finden sich auch einige Klettergärten mit bombenfestem Fels und ebenso guter Absicherung, so dass sich auch Sportkletterer mehr als verstanden fühlen.

Klettersteige gefällig? Lohnende Steige gibt es hier bis zum Abwinken. Viele davon bewegen sich auf den Spuren des Ersten Weltkrieges – etwa die „Via Ferrata delle Trincee“ am Padonkamm gegenüber der Marmolada, oder gar die Besteigung der Marmolada selbst, etwa auf den Ostgipfel „Punta Serauta“ über die „Via Ferrata eterna“. Weniger kriegerisch, aber nicht mit weniger Luft unter dem Allerwertesten, gestalten sich die Klettersteige am Massiv der Civetta: Die Ferrata Tissi von Süden her ist allerdings hartes Brot und verlangt einen langen Zustieg. Angenehmer ist da schon der Aufstieg auf die Moiazza sud vom Rifugio Bruto Carestiato oberhalb des Passo Duran. Die wilde Kletterei führt über einen Felsturm namens „La cattedrale“. Mehr Kommentar dürfte hierzu nicht nötig sein.
Sorry, wir sind gerade beim Biken!
Die besten Touren rund um Alleghe liefern wir ab Ende Juni 2011 nach. Wieder vorbei zu schauen, lohnt sich also. Danke für die Geduld!

Adressen für Übernachtungsgelegenheiten jeder Kategorie und in allen Tälern findet ihr auf der Webseite des Tourismusverbandes: www.dolomitistars.com
