Untypisch Dolomiten!
Man kann sich darüber streiten, ob das Valsugana überhaupt noch zu
den Dolomiten gehört. Direkt ansehen würde man es ihm jedenfalls nicht:
Die Lagoraikette, die das Tal in Richtung Norden vom Fleimstal
abschließt besteht nicht aus Dolomit sondern aus Gneis. Auch die
Hochebene der Sieben Gemeinden, die im Süden oberhalb des Tales auf
Mountainbiker wartet, besteht zwar aus Kalk, doch die für die Dolomiten
typischen Zacken und Felstürme fehlen hier komplett.
Aber wir wollen ja nicht Erbsen zählen. Dies ist eine Seite für
Mountainbiker. Und das Bikerevier des Valsugana und der Sieben Gemeinden
ist schlicht zu gut, um es euch hier einfach vorzuenthalten.
Kulturell und geschichtlich betrachtet gehört dieses Tal in jedem
Falle noch zu den Dolomiten. Wir befinden uns hier an der ehemaligen
Südgrenze Österreichs. Dem Talort Levico Terme sieht man das auch
deutlich an: Viele Denkmäler und Hausfassaden erinnern an das alte
Tirol. Und die Kaiservilla nebst ausgedehnter Parkanlage mitten im Ort
lässt immer noch den Glanz und die Gloria der K.u.K.-Zeit hoch leben.
Vor dem ersten Weltkrieg stand diese Gegend wegen ihres milden Klimas
bei der Österrechischen Aristokratie als Kurort hoch im Kurs. Dies war
natürlich auch den vielen schwefelhaltigen Heilquellen zu verdanken –
und dem hervorragenden Wein, der in diesem Tal wächst.
Da man in der damaligen Zeit Krieg noch als etwas Tolles empfand,
bereitete man sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts intensiv darauf vor. Das Valsugana und die Südgrenze auf den Sieben Gemeinden wurde Teil des
„Forte di Trento“, also eines massiven und bis an die Zähne bewaffneten
Verteidigungsgürtels von Sperr- und Offensivforts. Und der Krieg kam,
doch das ist eine andere Geschichte.
Der für Mountainbiker relevante Teil der Geschichte: Sämtliche Forts
mussten natürlich auch versorgt werden. Und so entstand auch ein weites
Netz aus Militärstraßen und –Trails, die der damaligen Logik folgend
„bombensicher“ angelegt sein mussten. Auf gut Deutsch: Auch in den
irrsinnigsten Bergflanken finden wir hier noch mit dem Bike fahrbare
Wege. Gewürzt mit den vielen Zeugnissen der – leider kriegerischen –
Vergangenheit entsteht so ein tolles Tourenrevier!
Infos
Lage
Das Valsugana liegt im Südosten des Trentino, etwa 10 km von Trento entfernt. Im Norden wird es von der mächtigen Gebirgskette des Lagorai abgeschirmt. Im Süden grenzt die Hochebene der Sieben Gemeinden an. Das Valsugana formt zusammen mit den Nachbartälern Val di Fassa und Val di Fiemme die Bike-Region „Dolomitilagoraibike“ mit Touren für jeden Biker-Geschmack.
Anreise
Mit dem Auto über die Brennerautobahn bis Ausfahrt Trento Nord, dann weiter über die SS 47 bis Ausfahrt Levico Terme (354 km, 3:40 h von München).
Mit dem Zug bis Trento und weiter nach Levico Terme. Die Bike-Mitnahme ist nicht unproblematisch. www.bahn.de
Beste Reisezeit
Bedingt durch das milde Klima des Trentino lässt es sich hier schon ab Mitte April gut biken, wobei dann auf der Hochfläche noch mit Schneeresten gerechnet werden muss. Ab Anfang Mai beginnt die beste Tourenzeit, die Saison dauert bis Ende Oktober, mit Glück bis Mitte November.
Unterkunft
Geführte Touren
Daniele Acler vom Hotel Cristallo bietet regelmäßig geführte Touren für seine Gäste an. Kontakt s. Unterkunft.
Allgemeine Infos
Touren für Genießer - mit guten Beinen!
Der Talgrund des Valsugana liegt auf 500 Metern Höhe, der höchste mit dem Bike fahrbare Pass auf 2117 Metern. Macht nach Adam Riese ein Bikerevier, das sich auf über 1600 Meter Höhenunterschied erstreckt. Dies ist zum Einen eine gute Nachricht: bedingt durch das warme Klima des Trentino lässt es sich hier in den unteren Lagen schon Mitte April gut biken. Wenn es dann in Richtung Hochsommer geht, ist in den alpinen Gefilden genug Raum für luftige Touren. Ergo dauert die Saison hier sehr lange, und das Tal eignet sich gut für Trainingseinheiten im Frühjahr oder um das Ende der Saison noch etwas herauszuzögern. Aber klar, ein solcher Höhenunterschied bedingt auch, dass viele Touren hier vor Ort mit einer beträchtlichen Steigleistung erkauft werden wollen.
Charakteristisch für dieses Revier ist aber auch, dass der fahrtechnische Anspruch oft hinter der Kondition zurücktritt. Richtig grobe Trails sind hier sehr selten. Meist bewegen wir uns auf gut ausgebauten Schotterstraßen und breiteren Militärwegen, so dass sich das Revier sehr gut für Mountainbiker eignet, die „einfach nur fahren“ wollen.
Dieser Charakter des Reviers ist seiner Vergangenheit, aber auch seiner Topografie geschuldet: Die meisten Wege und Straßen haben einen militärischen Ursprung und erschließen Gegenden, die im Ersten Weltkrieg Kampfgebiet waren. Die Lagoraikette im Norden des Valsugana ist sehr schroff. Hier gibt es eine Anzahl breiter Militärstraßen – die bekannteste wohl die über den „Passo delle Cinque Croci“ – die eigentlichen Stellungen verliefen damals aber oft auf den Graten, und wurden mit Seilbahnen versorgt. Wanderer finden hier viele Militärwege vor. Doch durch Bikegebiet verlaufen diese definitiv nicht.
Einen gänzlich anderen Charakter weist die Hochfläche der Sieben Gemeinden im Süden auf. Ein riesiger und sehr steiler Aufschwung führt hinauf auf diese Hochfläche. Oben jedoch haben wir es eher mit einer hügeligen Almregion zu tun, die ihrerseits aber von tiefen Tälern durchzogen ist. Die dutzenden Festungen dort oben waren dabei bis an die Zähne mit großkalibrigen Kanonen bewaffnet. Ergo mussten auch die Versorgungswege sehr breit und in moderater Steigung angelegt sein.
Wer also z.B. einen Bikeshuttle nutzt, dem erschließen sich dort oben konditionell wie fahrtechnisch sehr moderate Touren. Der geschichtliche Hintergrund, die vielen Forts und Wege, aber auch – wenn man Glück hat – die weiten Panoramablicke bis hinunter an die Adria lassen dieses Tourenrevier aber sehr interessant werden.
Die Spots
Valsugana
Im Talgrund selbst und an den Bergflanken beiderseits warten einige sehr interessante Touren die meist deutlich unter der 1000-Höhenmeter-Marke bleiben. Zum Ausgleich lockt mancher interessante Trail – die Ansprüche an die Fahrtechnik bleiben jedoch sehr moderat.
Ein schönes Beispiel ist sicherlich die Einrolltour zwischen den beiden Seen von Levico und Caldonazzo. Zwei Forts dominieren die Talenge zwischen den beiden Seen und sind über ein Netz von Militärstraßen zu erreichen. Schöne Blicke, einige Trails und die Gelegenheit zu einem Badestopp machen diese Runde attraktiv!
Lagorai
Die Lagoraikette im Norden des Valsugana ist untypisch für die Dolomiten. Die zerklüfteten Gneisgipfel erinnern eher an den Bergell. Landschaftlich sehr attraktiv sind Touren im Gebiet der Cima d’Asta, des höchsten Gipfels der Kette. Die Umrundung der Kette hält mit dem „Passo delle Cinque Croci“ ein Transalp-Highlight bereit, das jedoch in Gegenrichtung der Alpencross-Routen gefahren wird. Danach wartet viel Teer, der konditionelle Anspruch der Tour ist daher sehr hoch.
Wer auf der Passhöhe des Cinque Croci rechts in Richtung der Forcella Magna abbiegt, erlebt eine vogelwilde, hochalpine Tour: Trails und gepflasterte Militärwege führen durch schillernde Blockfelder aus Urgestein. Der fahrtechnische Anspruch ist hoch, und es sind auch ein paar kurze Schiebepassagen dabei. Aber das landschaftliche Erlebnis ist unübertroffen!
Sieben Gemeinden
Wenn der mächtige Aufschwung aus dem Valsugana erst einmal überwunden ist, wartet oben ein Revier einer komplett anderen Charakteristik. Auf den ersten Blick scheint es sich hier um ein hügeliges Almgelände zu handeln. Das ist auch so, aber ganz unanstrengend sind die Touren hier oben trotzdem nicht. Meist führen sie über breite und sehr gut erhaltene Militärwege aus dem Ersten Weltkrieg und der Zeit davor. Viele Forts und Sperranlagen können besichtigt werden, und machen Touren hier oben auch geschichtlich bzw. kulturell interessant.
Viel mehr als nur Biken!
Das Valsugana bietet seinen Gästen ein sehr umfangreiches Programm an Möglichkeiten. Dies macht das Tal zu einem idealen Reiseziel für "nicht nur" Biker, und sicher wird man sich hier auch mit der eigenen Familie und selbst kleinen Kindern gut zurecht finden.
Ganz vorne im Alternativprogramm stehen die beiden Seen. Sie liegen zentral im Tal und bieten sehr schöne Bademöglichkeiten.
Wer kein militanter Mountainbiker ist, wird sich zudem auf den Passstraßen der Dolomiten wohlfühlen. Viele der Militärstraßen sind inzwischen halt durchgehend geteert, und werden so immer noch genutzt. So ergeben sich geradezu ideale Möglichkeiten für Rennradler.
Unter Gleitschirmfliegern ist zudem die Panarotta oberhalb von Levico fast schon legendär. Bedingt durch die Lage am Südhang kommt die Thermik hier verlässlich. Ein Rekordflug führt von hier bis hinüber nach Slowenien!

Wir sind gerade beim Biken!
Die besten Touren rund um das Valsugana und die Sieben Gemeinden werden ab Ende Juni 2011
nachgeliefert. Wieder mal vorbeizuschauen lohnt also. Danke für die
Geduld!

Hotel Cristallo ***S - Levico Terme
Sport- und Bike-Hotel im Ortszentrum von Levico mit tollem Blick. Ein sehr guter Ausgangspunkt für Touren im Valsugana.
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Weitere Übernachtungsmöglichkeiten unter www.valsugana.info oder www.dolomitilagoraibike.com
